Luzern braucht keinen Salle Modulable auf dem Inseli

21. April 2016     / / / /

salle-modulable-luzern-nein-inseli

Warum ich gegen das Projekt Salle Modulable auf dem Inseli in der Stadt Luzern bin

Nachdem die Stadt und der Kanton Luzern, sowie die Stiftung Salle Modulable das 208-Millionen Projekt vorgestellt haben, bin ich in den sozialen Medien als Gegner dieses Projekts aktiv geworden. Lesen Sie hier eine etwas differenzierte Ansicht, warum ich gegen das Projekt bin.

Nach dem gewonnenen Prozess über die Schenkung des unversteuerten Geldes von Herrn Christof Engelhorn – nach Abzug der Anwaltskosten von 40 Millionen – bleiben 80 Millionen übrig von diesem Geschenk, dass mich ein bisschen an den „Besuch der alten Dame“ erinnert. Ein Geschenk das vielleicht mehr Probleme als Lösungen für die Stadt Luzern bringen wird. Da ich seit Monaten in den Medien von den Luzerner Politikern nur eins höre, nämlich „sparen“, „kein Geld“ und „wir müssen den Gürtel enger schnallen“ war es für mich absolut klar, dass sich die Kosten für das Projekt Salle Modulable in dieser Grössenordnung – also 80 Millionen – bewegen werden. Naiv wie ich bin, habe ich mir bei diesem Gedanken Sorgen gemacht, was das für die Stadt bedeutet. Nebst den hohen Unterhaltskosten welche wir bereits für das KKL stemmen müssen, würden nochmals weitere Unterhaltskosten für einen weiteren Neubau hinzukommen. Das heisst konkret: Noch mehr Geld aus dem Kulturtopf für die so genannte „Hoch-Kultur“, noch weniger Geld für die Filmförderung, für Stipendien, für Quartierpolizisten, für Integrationskurse und für andere innovative Projekte wie z.B. das Neubad. 

salle-modulable-luzern

Kultur und öffentliche Plätze für Alle, oder nur für eine intellektuelle Elite?

Doch es scheint, ich war sehr naiv. Nicht ein neues Haus für 80 Millionen soll gebaut werden, nein, eines für 208 Millionen. Nimmt man die Erfahrung vom KKL, wo die Kosten um 50% höher waren, müssen wir vielleicht sogar mit 300 Millionen rechnen. Und anstatt dass man das Luzerner Theater aufwertet und ausbaut soll es auf dem Inseli gebaut werden, dem letzten Grünen Flecken mitten in der Stadt, welcher in den letzten Jahren eine massive Aufwertung erfahren hat. Das Inseli, welches so heisst, weil es früher wirklich eine Insel war, der stinkende und laute Carparkplatz den ich meinen „Garten“ nennen und zu lieben begonnen habe, in den zehn Jahren seit ich bei ihm wohne. Das Inseli, einer der letzten Orte der Stadt, der noch was Anarchisches, was Wildes hat. Das Inseli, welches dank verschiedener Initiativen kurz davor steht zu einer kleinen Oase mitten im Zentrum der Stadt zu werden.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich schätze das Luzernern Kulturangebot sehr. Ich gehe zirka zwei Mal pro Jahr ins Luzerner Theater und bin immer wieder überrascht von der Qualität der Produktionen, welche oft auf internationalem Niveau mithalten können. Ich besuche jedes Jahr mindestens ein Konzert des Lucerne Festival und liebe die Atmosphäre und Ausstrahlung des KKL weit über die Region hinaus. Ich bin bis heute froh, dass der (aus meiner Sicht hässliche) Meile Bau nicht unter Denkmalschutz gestellt wurde und der Bau des KKL möglich wurde. Ich bin den Luzernern dankbar, dass sie das Risiko auf sich genommen und den Mut hatten, dem KKL zuzustimmen. Ich bin auch öfters im UG oder im Südpool anzutreffen. Ich bin also durchaus Kultur-affin und weiss Gott kein Ignorant diesbezüglich. Bei all diesen Besuchen hatte ich aber auch immer gemischte Gefühle. Den mir wurde bewusst, dass nur ein kleiner Teil der Gesellschaft den Zugang zu dieser Art Kultur hat oder sich leisten kann. Das hier sehr viel Aufwand betrieben wird für eine kleine Gruppe der Gesellschaft, welche es sich leisten kann. Intellektuell wie finanziell.

Und so frage ich mich, ist diese Stadt gross genug für ein KKL und ein Salle Modulable in dieser Dimension? Können und wollen wir uns das leisten? Dient das wirklich der Allgemeinheit oder nur einem kleinen erlauchten Kreis, einer intellektuellen Elite und alle bezahlen dafür? Sind das die richtigen Prioritäten? Sollten wir nicht mehr Geld in die Kultur selbst, also in die Inhalte stecken, statt in die Hülle, dem Aufführungsort? Sollten wir das Geld nicht lieber in die Filmförderungen stecken, in Stipendien für die Studierenden, in Zwischennutzungen, welche mit ihrem kulturellen Angebot oft mehr und auch anderen Menschen erreichen als ein Salle Modulabel würde, für dessen Klientel es bereits jetzt sehr grosszügige Angebote gibt in der Stadt? Oder ist das Geld vielleicht nicht noch an anderen Orten noch viel dringlicher von Nöten? Bei der Integration von Flüchtlingen vielleicht, welche darüber entscheiden wird ob wir es schaffen werde die momentane Herausforderung zu meistern?

fotomontage-salle-modulable-inseli-nein

So klobig und protzig soll der Salle Modulable in Zukunft auf dem Inseli stehen.

Sollte man wirklich 208 Millionen ausgeben, wenn man nur 80 Millionen zur Verfügung hat? Darf man der nächsten Generation die Unterhaltskosten für eine Kulturhaus aufbürden, in welchem Kultur gespielt wird, zu welcher diese Generation vielleicht überhaupt keinen Zugang hat? Ist es wichtiger, dass wir international angesehen sind und Gäste aus der ganzen Welt anlocken, als uns um die zu kümmern, die in dieser Stadt leben? Sind wir bereit einen so tollen, so öffentlichen Platz wie das Inseli dafür zu opfern?


Lesen Sie dazu auch diesen Facebook Dialog mit dem Kanton Luzern: 

Christian Macek Kein Geld für Stipendien, kein Geld für die Filmförderung, kein Geld für Quartierpolizisten, kein Geld für Integrationskurse, kein Geld für das Neubad. Aber 200 Million für ein zweites KKL am falschen Ort. NEIN!

 

Kanton Luzern Sehr geehrter Herr Macek.

Gerne nutzen wir die Gelegenheit, hier einige Fakten zu den von Ihnen genannten Bereichen zu nennen:

Stipendien: Der Kanton Luzern gibt jährlich rund 10,5 Millionen Franken für Stipendien aus. Diese Zahl blieb mit der Einführung des neuen Stipendiengesetz unverändert. Erhöht wurden die Mittel für Darlehen von 1,3 auf 3,5 Millionen Franken.
Filmförderung: Der Kanton Luzern hat für die Filmförderung in den nächsten Jahren je 400‘000 Franken eingestellt. Diese Beiträge wurden 2014 im Rahmen des Planungsberichts Kulturförderung erhöht.
Quartierpolizisten: Die Quartierpolizisten existieren nach wie vor. Die Luzerner Polizei hat sie 2014 in das Einsatzelement «CityPlus» integriert.
Integration: Mit «Perspektive Bau» und «Perspektive Pflege» hat der Kanton Luzern zusammen mit Partnern erfolgreiche Projekte für die berufliche Integration von Flüchtlingen initiiert. Für das Jahr 2016 wurden die Mittel im Bereich Integration von Flüchtlingen im Vergleich zu 2015 deutlich erhöht.
Neubad: Die Stadt Luzern hat auch im Budget 2016 einen Beitrag von 70‘000 Franken für das Neubad eingestellt.

Zudem machen wir Sie darauf aufmerksam, dass sich – Stand heute – die Investitionskosten für die öffentliche Hand auf rund 93 Mio. Fr. (inkl. Wert Baurecht 20 Mio. Fr.) und die Betriebskosten auf jährlich 31 Mio. Fr. belaufen. Regierungspräsident Reto Wyss hat an der Medienorientierung gestern aber klargestellt, dass aus Sicht von Stadt und Kanton diese Kosten bei der weiteren Konkretisierung des Projekts noch sinken müssen. Wenn das neue Theater nicht realisiert wird, kommen mit der Sanierung des bestehenden Theaters Kosten von 45 bis 80 Mio. Fr. auf die öffentliche Hand zu.

Am Montag, 11. April 2016 um 17.30 Uhr und am Donnerstag, 14. April 2016 um 19 Uhr finden im Südpol übrigens öffentliche Informationsveranstaltung für die Bevölkerung zum Thema «Neues Theater Luzern / Salle Modulable und Theater Werk Luzern» statt. Die Verantwortlichen werden dort für all Ihre Fragen zur Verfügung stehen.

 
 

Christian Macek Neue LZ vom Oktober 2015: Der Kanton Luzern muss den Gürtel enger schnallen. Insgesamt will der Kanton über drei Jahre 330 Millionen Franken zusätzlich einsparen.

Fakt ist doch, dass ein Sparprogramm nach dem anderen durchgeführt wird und der Kanton Luzern bei Stipendien und der Filmförderung immer noch auf den hinteren Rängen liegt. Der Caritas hat man die Flüchtlingsbetreuung entzogen weil man das Gefühl hat dass man es besser – sprich günstiger – machen kann. Zudem wurden gute und funktionierende Integrationsprogramme gestrichen (http://www.srf.ch/…/auf-euch-hat-hier-niemand-gewartet…).

Da passt ein zweites KKL einfach nicht in das Bild und die Bevölkerung hat wenig Verständnis dafür. Auch wenn Sie die Zahlen schön aufteilen, aus Erfahrung muss man davon ausgehen, dass es teurer wird als geplant. Ausserdem können Sie noch keinen einzigen Sponsor aus dem Privatsektor nennen, von welchem Sie sich 35 Millionen erhoffen. Was passiert wenn Sie dieses Geld nicht zusammen kriegen? Wer bezahlt dann? Und wer bezahlt, wenn es teurer wird als geplant? Wir haben ein Geschenk bekommen von (noch) 80 Millionen. Das ist toll. Warum nicht was bauen für 80 Millionen? Ich kann mir vorstellen, dass man damit was Schönes bauen kann. Den Unterhalt muss ja dann immer noch vom Steuerzahler übernommen werden.

Das die Stadt das Neubad mit 70`000 unterstützt, ist toll. Das sind ca. 0.033% von dem, was die Salle Modulable kosten würde. Das Neubad zeigt: gute Kultur braucht keinen Prunkbau. Kultur wird von Menschen gemacht und nicht von Prestige-Architektur. Ich bin nicht gegen ein neues Theater, im Gegenteil. Ich bedaure, dass Sie nicht sensibel genug waren um die Signale aus der Bevölkerung wahrzunehmen in Bezug auf den Standort. Anstatt auf die Leute aus Luzern und übrigens auch bei Ihnen intern in der Verwaltung zu hören, haben sie eine externe Gruppe von Aussen engagiert, welche die Emotionalität rund um das Inseli nicht richtig einschätzen konnte. Da Sie jetzt die Alles-oder-Nichts Strategie fahren, werden sie wohl am Schluss mit “Nichts” enden und die 80 Millionen von Herrn Engelhorn sind weg, was ich persönlich sehr bedaure.

Lesen Sie dazu auch diesen interessanten Beitrag auf zentralplus.ch

  /