Du bist nicht faul – du hast Angst!

9. Mai 2020     / / / / /

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Du bist nicht faul. Du hast Angst.

Seit Jahrhunderten predigen sogenannte Experten und Motivationstrainer, dass wir den „Feind“, die Prokrastination, also das Aufschieben von Tätigkeiten, um jeden Preis besiegen sollten.

Denn wenn wir Faulheit nicht vermeiden, verschwenden wir unser Lebenspotential, heisst es. 

Also, was machen wir?

Jeden Tag bemühen wir uns noch mehr, uns zu motivieren, wichtige Dinge zu erledigen. Und wenn wir es wieder nicht geschafft haben die Dinge zu erledigen, dann sind wir unzufrieden, manchmal sogar wütend auf uns selbst. Wir sind faul, sagen wir dann. 

Was wäre, wenn es stattdessen eine bessere Erklärung dafür gäbe, warum wir zögern, als einen Mangel an Willenskraft oder Motivation?

Folgendes haben Wissenschaftler kürzlich entdeckt:

Würdest du kämpfen oder fliehen?

Im Jahr 2018 führte ein Forscherteam eine bahnbrechende Studie durch, um die Unterschiede zwischen dem Gehirn von Menschen, die mit Aufschub zu kämpfen haben, und denen, die dies nicht tun, zu untersuchen.

Zu diesem Zweck rekrutierten die Forscher 264 Teilnehmer, um bestimmte Aufgaben zu erledigen, und führten anschließend fMRI-Gehirnscans für jede Person durch.
Die Ergebnisse waren erstaunlich.

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Quelle: Wiki

Die Forscher entdeckten im Gehirn der zögernden Teilnehmer ein höheres Volumen an Amygdala – einem mandelförmigen Satz von Neuronen, die unsere Emotionen verarbeiten – als diejenigen, die aktionsorientierter waren.

Darüber hinaus entdeckten sie, dass die Zauderer schwächere Verbindungen zwischen der Amygdala und der dorsalen anterioren cingulären Cortex (dACC) – einer anderen Region des Gehirns – hatten, die für Selbstkontrolle und emotionale Regulation verantwortlich ist.

Diese bahnbrechenden Ergebnisse lieferten die lang erwartete neurowissenschaftliche Erklärung für das, was Psychologen als „Amygdala-Hijack“ bezeichnet hatten. 

Druck kann eine Fluchtreaktion auslösen

Szenarien mit viel Druck, auch Druck den wir uns selber machen, lösen Erinnerungen an negative Erfahrungen aus. Dies wiederum löst in der Amygdala eine Kampf- oder Fluchtreaktion aus.

Wir sind nicht mehr fähig über die langfristigen Konsequenzen unseres Handelns nachzudenken und führt dazu dass wir die dringende Arbeit nicht erledigen. Wir nehmen es als Bedrohung unsere Sicherheit wahr. 

Als Belohnung dafür, dass wir der Bedrohung durch Zögern entkommen, sind wir vorübergehend erleichtert und fühlen uns besser.

Aber das dauert nicht lange.

Früher oder später schleichen sich die negativen Emotionen wieder zurück – Langeweile, Selbstzweifel, Angst, Stress usw. – und um damit fertig zu werden, zögern wir weiter bis zur letzten Minute.

Dieser Teufelskreis, negative Emotionen zu vermeiden und uns durch Zögern zu belohnen, macht das Zögern von einem einmaligen Verhalten zu einer Sucht.

Aufschub ist für uns einfach eine Frage der Faulheit.

Für unser Gehirn ist es jedoch eine Frage von Leben und Tod.

Ein gutes Beispiel sind Leute, welche die Post nicht mehr aufmachen. Vielleicht hat jemand aus Angst vor einer Rechnung, welche er oder sie nicht bezahlen kann, die Post einfach nicht mehr aufgemacht. Denn die Person möchte die negative Emotion vermeiden, welche bei der Konfrontation mit der Rechnung ensteht. Jetzt kommt noch das schlechte Gewissen dazu die Post für mehrere Tage nicht geöffnet zu haben. Das führt zu einer weiteren Blockade und führt dazu dass jetzt die Post seit Wochen nicht mehr geöffnet wurde, weil jetzt noch die Scham als weitere negative Emotion dazu kommt. 

Die Person öffnet also die Post nicht aus Faulheit, sonder aus Angst was in der Post drin steht (anfänglich) und aus Scham (längerfristig). 

 

Aufschub ist das Symptom. Angst ist die Grundursache.

“Mach jeden Tag eine Sache, die dir Angst macht.”
– Mary Schmich

Faulheit ist per Definition die mangelnde Bereitschaft, zu arbeiten oder Energie zu verbrauchen. Aber die Mehrheit von uns ist bereit, Dinge zu erledigen.

Unterbewusst ist es also die Angst – nicht der Mangel an Motivation oder Willenskraft -, die uns daran hindert, die Dinge zu erledigen,welche wir schon lange anpacken wollten.

Aufschub ist einfach eine von vielen Bewältigungsstrategien, um diesen Ängsten nicht zu begegnen.

Wenn du das weisst, kannst du vielleicht besser mit deiner eigenen Prokrastination umgehen und versuchen mehr Kontrolle darüber zu erlangen die Dinge dann zu erledigen wenn du sie eigentlich erledigen willst. 

 

Titelbild: 123rf Lizenz Urheber : Antonio Guillem

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